Umnutzung Hammersmith Kaserne

I Herne

Wettbewerbsart
Realisierungswettbewerb
Preis: 1. Preis
Jahr: 2018
Freianlagen
SAL Landschaftsarchitektur
Bearbeitung
Stephan Bracht,
Gregor Schütze,
Andreas Wiedemann,
Nathalie Wiers
 
Architekten
behet bondzio lin architekten
Links
competitionline
 
Realisierungswettbewerb: Umnutzung Hammersmith Kaserne

Im Rahmen eines geschlossenen städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbs sollen Ideen für Umnutzung der Hammersmith Kaserne in Herford erarbeitet werden. Ende 2017 ruft die Stadt Herford dazu 15 Stadtplanungs- und Architekturbüros in Kooperation mit Landschaftsplanern auf.

Das Areal liegt östlich des Stadtkerns auf dem Stiftberg. Auf dem ca. 10 Hektar großen Gelände sollen 400 Wohneinheiten mit unterschiedlichen Wohnangeboten (Individual- und Mietwohnungsbau) mit einer Quartiersmitte entstehen.

 

Anforderungen der Stadt Herford an die Umnutzung

„Zielführend soll ein neues belebtes Wohnquartier mit ergänzenden, wohnverträglichen Nutzungen entstehen, welches die Besonderheit des Ortes und den städtischen Zusammenhang widerspiegelt.“ Die Auftraggeber wünschen sich einen behutsamen Umgang mit dem Bestand. Die Gestaltung und das Ressourcen schonende, solare Bauen sollen besonderes Gewicht bekommen.

Gemeinsam mit behet bonzio lin architekten beteiligen wir uns an dem Wettbewerb und erhalten dafür den 1. Preis.

 
Aus der Beurteilung durch das Preisgericht

„Insgesamt entsteht ein modernes Wohnquartier mit eigenem Charakter, der die bestehende Historie u.a. durch den erhaltenen Gebäudebestand aufgreift und aufgrund der harmonisch zusammen gefügten Baufelder, der Bebauungsdichte und der Raum definierenden Bebauungstypologie dem Quartier ein neues Gesicht und attraktive Adresse gibt.“

Der Link zur Geschichte

Die ehemaligen Unterkunftsgebäude und Stallungen bleiben in unserem Entwurf die materielle Ressource. Sie sind wichtig als Träger von Identität, Link zur Geschichte des Ortes und partielle Ergänzung der neuen Quartiersgebäude.

Großflächige Entsiegelung und Durchgrünung des Quartiers

Ausgehend von der ehemaligen Wentworth-Kaserne „fließt“ ein Grünraum mit eingebetteten Rad- und Fußwegen durch das Quartier. Dieser findet Anschluss an den Grünzug im Nordosten mit dem Nebengewässer des Putchemühlenbachs.

Umcodierung des Parkangers zum grünen Quartiersanger

Der „Parkplatzangers“ zwischen den ehemaligen Unterkunfts- und Verwaltungsgebäuden besitzt starke räumliche und atmosphärische Qualitäten. Diesen Ort codieren wir zu einem Shared-Space um. Der grüne Quartiersanger wird zur neuen Mitte des gesamten Quartiers.

Etablierung sozialer Infrastruktur

Räume für Dienstleistungs-, Freizeitangebote und Co-Working besetzen durchgängig die Erdgeschosszonen um den Quartiersanger. Der neue Quartiersanger wird so zum Raum der Durchwegung, Verbindung und zugleich des Aufenthalts, der Kommunikation und Interaktion. Atmosphäre schaffen die alten Kasernengebäude und majestätischen Bestandsbäume.

Freiraumplanerischer Umgang mit topografischer Kante

Ein neuer Quartierspark soll sich entlang der markanten topografischen Kante (bis zu 4 Meter Höhensprung) in Ost-West Ausrichtung erstrecken. Im Übergang an den Grünzug des Putchenmühlenbaches entsteht ein großzügiges Freiraumdelta. Dafür sehen wir Rasenterrassen und eine sich ausdehnende Sport- und Spiellandschaft vor. Nach Westen erstreckt sich ein weiterer Grünraum. Dieser hält bei Starkregenereignissen das gesamte Niederschlagswasser der versiegelten Flächen zurück.

Der säkularisierte Kirchenraum – ein „fließender“ Raum

Der schlichte und ruhige Kirchenbau von Rudolf Schwarz ist ein sehr gelungenes Beispiel der Nachkriegsarchitektur des Wiederaufbaus. Rudolf Schwarz gelingt eine bescheidene Fortschreibung des baugeschichtlichen Erbes auf dem Grundriss der Vorgängerbauten bis zum Dominikanerkloster aus dem Jahre 1296.

Aus dem Kirchenraum wird nach dem Ausbau der festen liturgischen Ausstattung ein Veranstaltungsraum. Der Außenraum des Atriums wird einbezogen, gleichwohl bleibt die Wirkung der Rosa Mystika und der schönen Kirchenfenster von jedem Bereich des Gesamtraumes erfahrbar.

Der „fließende Raum“ beginnt mit in einem offenen Begegnungs- und flexiblen Ausstellungsbereich, der den bisherigen Zugang zur Krypta freilässt. Die Krypta wird als Kirchenraum erhalten.

Ressourcen schonen

Das Entwurfskonzept stellt eine nachhaltige und Ressourcen schonende Strategie dar. Es basiert auf dem Erhalt und der Um- und Weiternutzung der Identität stiftenden Kasernengebäude und Stadträume. Die graue Energie des Bestandes wird somit in seinem ideellen und materiellen Wert in die Gesamtbetrachtung (CO2-Bilanz der Maßnahme sowie deren atmosphärische Qualität) maßgeblich einbezogen.

Die Maßnahmen
  • Eine Energiezentrale an bisheriger Stelle: Nutzung der vorhandenen Infrastruktur, verbesserte CO2-Bilanz
  • Entsiegelung und Begrünung großer Flächen
  • Regenwassermanagement über offene Versickerung
  • Begrünte Dächer: große Dämm- und Retentionswirkung, Rückhalt des Regenwassers, Verbesserung des Mikroklimas im Quartier
  • Ökologische Auswahl der Baumaterialien, Einsatz umwelt- und gesundheitsverträglicher Baustoffe
  • PKW-Stellplätze an den Rändern des Quartiers, gesteuerte Vermeidung von PKW- und Parksuch-Verkehr innerhalb des Quartiers

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