Neubau Rathaus Greven
Auftraggeber
Stadt Greven
Wettbewerbsart
Realisierungswettbewerb
Preis: 4. Preis
Jahr: 2025
Freianlagen
SAL Landschaftsarchitektur
Bearbeitung
Stephan Bracht,
Gregor Schütze
Architekten
kleihues + kleihues
Neubau Rathaus Greven und Entwicklung des Areals mit hoher Aufenthaltsqualität
Die Stadt Greven schreibt im September 2024 einen Wettbewerb für den Neubau des Grevener Rathauses aus. Der Neubau soll auf dem östlich angrenzenden heutigen Rathausplatz realisiert werden. Diese Fläche wird als Busbahnhof und öffentliche Stellplatzfläche genutzt. Sie hat viel Potenzial. Durch die Lage am westlichen Rand der Innenstadt besteht die Möglichkeit, einen neuen Stadteingang auszubilden und somit zur Stärkung der Innenstadt beizutragen.
Fünf Teams werden direkt zur Teilnahme am Wettbewerb „Neubau Rathaus Greven“ eingeladen, darunter SAL Landschaftsarchitektur in Kooperation mit kleihues + kleihues Architekten, Dülmen. Bundesweit reichen 13 Planungsteams Modelle und Pläne ein.
Im Wettbewerb um den besten Entwurf für den Neubau Rathaus Greven fällt Ende Februar 2025 die Entscheidung. Wir freuen uns über den 4. Preis.
Wichtige Anforderungen an die Rahmenplanung
- Identitätsstiftender Rathausneubau mit einladendem Vorplatz
- Multifunktionaler, bürgernaher Verwaltungssitz
- Grüner Rathausinnenhof als ruhiger und klimagerechter Aufenthaltsort
- Entwicklung des Rathaus- und ZOB-Areals zu einem attraktiven Quartier
- Schaffung einer Eingangs-/Auftaktsituation zur Innenstadt
- Steigerung der Aufenthaltsqualität im Rathausquartier
Links
competitionline
Unser Entwurfsziel
Wir planen einen repräsentativen, lichten Neubau – ein öffentliches, einladendes Haus – inklusive Umfeld und Innenhof als grüne Freiflächen. Der Neubau soll adressbildend als „Rathaus“ wahrnehmbar sein.
Das neue Rathaus entwerfen wir als viergeschossigen Baukörper. Dieser umfasst einen quadratischen Innenhof zur Belichtung und Belüftung. An der Ost- und Westfassade sind die Haupteingänge sichtbar herausgearbeitet.
Das Bürgerforum – Herz des Rathauses
Entlang der Erschließungsachse in Ost-West-Richtung, angrenzend an einen quadratischen Innenhof, ist ein dreigeschossige Bürgerforum geplant. Es soll offener und kommunikativer Anlaufpunkt für Bürgerinnen und Bürger sein.
Das neue Bürgerforum ist Teil der Platz- und Raumfolge zwischen Kirche und Emspark. Diese Verbindung zur Stadt entsteht durch die städtebauliche Neuplanung und wird durch unsere Planung der Freianlagen unterstützt.
Das neue Bürgerforum – Herz des Rathauses
Durch die zentrale Platzierung erschließt sich das Haus auf einfache Art in alle Richtungen. Die natürliche Belichtung von oben intensiviert die Beziehung zwischen Innen- und Außenraum.
Wege im Gebäude erweitern sich zu offenen Aufenthaltsbereichen mit Ausblick auf die Stadt und die neu geschaffenen Platzsituationen.
Die Konstruktion: einfach, geometrisch, ökologisch
Wir planen ein Stahlbetonskelett mit massiven speicherfähigen Betondecken und Erschließungskernen. Diese Konstruktion schafft die programmatische Voraussetzung für eine flexible Nutzung und ggf. Nutzungsänderung. Die Veränderbarkeit der Raumkonfiguration mit leichten Trennwänden erfüllt die Anforderungen an eine flexible und nachhaltige Gebäudestruktur.
Das Material: schlicht, elegant, hell
Die Fassade des neuen Rathauses zeigt sich offen und der Funktion angemessen. Sie zeichnet sich durch Schlichtheit und Eleganz aus. Ein massiver Sockel, verblendet mit einem hellen sandsteinfarbenen Ziegelmauerwerk im Langformat, bildet die Basis des Hauses. In den Sockel sind großzügige Fensteröffnungen eingeschnitten. Darüber steht eine filigran gegliederte Fassade mit umkleideten Pfeilern und Stürzen aus Naturstein.
Auch wichtige Nutzungen wie der Ratssaal sind durch großzügige Öffnungen ablesbar. Die Fenster bestehen aus Holz und sind auf der Außenseite von einer Aluminiumdeckschale vor Witterungseinflüssen geschützt. Der Öffnungswinkel der Fenster ist konstruktiv begrenzt, so dass eine weitere Absturzsicherung nicht erforderlich ist.
Für den sommerlichen Wärmeschutz kommt ein Lamellen-Raffstore als außenliegender Sonnenschutz zum Einsatz. Hierdurch kann im Sommer die Sonneneinstrahlung wirkungsvoll reduziert und dabei das Tageslicht optimal genutzt werden. Photovoltaikmodule als regenerative Energiequelle versorgen das Haus mit Strom.
Die Auswahl der Baustoffe
Wichtig ist uns ein optimales Verhältnis zwischen den materiellen Aufwendungen zur Erstellung des Gebäudes und den berechneten Einsparungen im Lebenszyklus des Gebäudes. Für den Planungsprozess werden eine implementierte Ökobilanzierung und eine bauökologische Begleitung empfohlen. Nachhaltigkeitsziel ist, ein angemessenes Verhältnis zwischen Aufwand und Wirkung durch den Einsatz energierarmer Bauprodukte mit hohem Recyclinganteil. So können bei einem späteren Rückbau die Baustoffe sortenrein getrennt werden.
Verbesserung des Klimas und der Energiebilanz
Begrünte Dächer mit Retentionsboxen bewirtschaften das anfallende Niederschlagswasser auf dem eigenen Grundstück und verbessern durch Verdunstung das Stadtklima. Ein begrüntes Dach hat im Vergleich zu einer versiegelten Dachoberfläche aus Bitumen oder hochpolymeren Dachbahnen eine weitaus geringere Oberflächentemperatur. Es verringert die Gefahr hoher Raumtemperaturen in den oberen Geschossen, gleichwohl erhöht sich dadurch der Wirkungsgrad der PV-Anlagen. Diese können zum Betrieb der Wärmepumpen herangezogen werden. Entsprechend dem integrierten Wärmenutzungskonzept der Stadt Greven lassen sich so an dem Standort bis zu 60 Prozent der Wärme aus Geothermie erzeugen.
Eine Platzabfolge als Verbindung zur Innenstadt
Die Platzierung der Baukörper ermöglicht eine Platzabfolge. Sie stellt eine Verbindung zwischen Greven „links der Ems“ und der Innenstadt mit dem Marktplatz her. Vom Grevener Bahnhof kommend, gelangt man über die Fußgängerbrücke und den im ISEK vorgesehenen Emspark auf den Emsplatz. Der Emsplatz nimmt wichtige Funktionen des Ankommens und Verteilens auf und leitet über ein breites Plattenband als Platzintarsie zum neuen Grevener Rathaus.
Innenhof für Mitarbeiter*innen und Wegeverbindungen
Der Innenhof des Rathauses spiegelt die Gestaltung des Vorplatzes wider. Er dient den städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als als Erholungs- und Aufenthaltsbereich. Der durchgesteckte Bodenbelag weist den Weg durch das Rathaus auf die Ostseite zum Rathausplatz und weiter zur St. Martinus Kirche und dem Grevener Marktplatz.
Die Straße „Hinter der Lake“ wird gestalterisch durch Aufpflasterung in den Rathausplatz integriert und bildet die Vorzugsvariante der städtebaulichen Rahmenplanung ab.
Der geplante Freiraum unterstützt und ergänzt die bestehenden innerstädtischen Plätze – Marktplatz, Niederort, Montargisplatz – und bildet mit diesen eine klare Platzfolge innerhalb der Grevener Innenstadt.
Die Bepflanzung
Die Großgehölze auf dem derzeitigen Grundstück werden erhalten und mit neuen Gehölzpflanzungen ergänzt. Die so entstehende Baumgruppe schafft ein Pendant zum neuen Parkhaus und dient als Puffer zum bestehenden Kreisverkehr des Münsterdamms. Zwischen Park und Rathaus entsteht eine grüne Fuge, die u. a. die künftige Außengastronomie des Rathauscafés aufnimmt.
Stauden- und Gräserfelder bilden in Verbindung mit neuen Gehölzpflanzungen ein repräsentatives Gesamtbild und schaffen Aufenthaltsbereiche, die das Mikroklima positiv unterstützen.